Gloria Höckner (*1987 in Vienna, Austria) works as freelance choreographer and performer. Mainly based in Berlin and Hamburg she also worked inter alia in Vienna, Seoul, Santiago de Chile. Following a broader understanding of choreography at the intersection of choreography and performance art, a main interest of her artistic work is the body and it‘s entanglement with others in a game between existing forms and the invention of new forms.

She often uses pre-given materials and enters a playful re-articulation of them in which the transformative potential of the body becomes more visible. Gloria Höckner is interested in the nowadays virtual transforming body and how it re-materializes in the here and now – in clubs and public spaces, on stage.

She is holder of the scholarship stART.up 2019/20 of Claussen-Simon Stiftung. In 2018 she was artist in residence at Nave in Santiago de Chile and at the program Limited Edition at K3 – Centre for Choreography in Hamburg as well as artist in residence at Seoul Dance Center. In 2017 she was choreographic assistant to Laurent ChĂ©touane for the piece Out of Joint/Partita 1 that premiered at HAU Hebbel am Ufer Berlin and recipient of the Startstipendium of the Austrian Ministry of Culture.

Gloria finished her masters in Performance Studies in 2015. Before that she completed her diploma in theatre-, film and media sciences at the University of Vienna where she focused on gender and queer studies. She took part in festivals like Performing Arts Festival Berlin, Balance Club/Culture Festival Leipzig, Out Now! Bremen, Dance Kiosk, Dance in Response, or Festival of Future Nows (as part of Berlin Art Week).


Download Curriculum Vitae (PDF)

Dance Film
25. 09. 2020

Ballspielen verboten

Sprengel Museum Hannover

"Ballspielen verboten" ist ein Tanzkurzfilm fĂŒr jĂŒngeres und Ă€lteres Publikum, der im Rahmen der Initiative CONNECT - Kunst im Prozess von Eucrea. Verband Kunst und Behinderung e.V. entstand. Seit 2018 arbeitete Eucrea mit einer wachsenden Zahl an Kooperationspartnerinnen zusammen mit dem Ziel, inklusive Kooperationen in Theatern, Museen und Ateliers zu ermöglichen.
FĂŒr CONNECT hat Eucea die BundeslĂ€nder Hamburg, Sachsen und Niedersachsen gewinnen können, sich der Initiative anzuschließen. In jedem Land wurden sechs Kooperationspartner
innen gesucht – drei Kulturinstitutionen und drei Einrichtungen der Behindertenhilfe, in der KĂŒnstler*innen mit Behinderung tĂ€tig sind. Gemeinsam geht es darum, Begegnung stattfinden zu lassen, Kooperationsformen zu ĂŒberlegen, zu erproben und möglicherweise dauerhafte zu installieren.
Die Kooperation des Jungen SchauspielHauses Hamburg mit der inklusiven Tanzkompanie here we are und Gloria Höckner als Gastchoreografin ist Teil von CONNECT. Die eigentlich geplante BĂŒhnenarbeit wurde durch Covid-19 verunmöglicht. So verlagerte sich die tĂ€nzerische Praxis in den digitalen Raum und die Idee entstand, einen Tanzfilm in Kooperation mit Jonas Fischer zu machen.

Tanz:

Kompanie here we are

Farkunda Sekander Khan
Samuel Krenz
Ibrahim Erkara
Maren KrĂŒger
Jens Stohlmann
Julia Fortes
Lawrine Lartey
Ronja Kruckenberg

Gast-TĂ€nzerinnen:

Luise Rathmann
Friederike Lange

Choreographie:

Gloria Höckner und Anke Böttcher

Regie & Schnitt:

Gloria Höckner und Jonas Fischer

Kamera:

Jonas Fischer

Projektmitarbeit:

Laura Brust

Musik:

AGF (syntax mirror by DALIB) - dschungel (instrumental)
Clouds - Optic

Eine Produktion von CONNECT - Kunst im Prozess in Kooperation mit EUCREA Verband Kunst und Behinderung e.V., Junges SchauSpielHaus Hamburg, Elbe WerkstÀtten GmbH, here we are

Gefördert von: Kulturstiftung des Bundes, Behörde fĂŒr Kultur und Medien Hamburg, „Was zĂ€hlt!“-Fonds fĂŒr Kunst- und Kulturschaffende der Claussen-Simon-Stiftung

Dance Film
25. 09. 2020
Research
Summer 2020

Sentimental Bits - an artistic research project

ProbebĂŒhne im GĂ€ngeviertel, Hamburg

"Sentimental Bits" ist ein kĂŒnstlerisches Rechercheprojekt, das sich mit dem Tracking von GefĂŒhlen durch kĂŒnstliche Emotions-Intelligenz (Emotions-KI) auseinander setzt.
Emotions-KI nutzt verschiedene Sensoren um Mimik, Stimme, oder Körperhaltung abzutasten und daraus den emotionalen Zustand eines Menschen zu bestimmen. Große Unternehmen wie Amazon, Facebook oder Google sind aktuell an der Entwicklung und Implementierung von Emotions-KI beteiligt, um sie etwa fĂŒr die Individualisierung von Werbung fĂŒr potentielle Kund*innen zu nutzen. Die technische Möglichkeit, Emotionen zu erkennen, schlĂ€gt in diesem Bereich auf deren Beeinflussung um. Emotions-KI wird aber auch in anderen Bereichen wie bei der Einwanderungskontrolle an Grenzen (bsw. in Griechenland, Ungarn), oder zur Überwachung in öffentlichen verkehrsmitteln (Nizza) eingesetzt. Die GrĂŒnderinnen der Firma Affectiva sind der Meinung, dass ihre Technologie das Potential hat, eine „Emotion Economy“ - eine Ökonomie der Emotionen - herzustellen. Affectiva bietet eine Software an die Gesichtsanalysen liefert, um daraus Stimmungsanalysen abzuleiten und behauptet von sich, den weltweit grĂ¶ĂŸten Datensatz an menschlichen Emotionen zu haben. In "Sentimental Bits" wird Emotions-KI performativ untersucht und kĂŒnstlerisch angeeignet, um Interaktionsmöglichkeiten damit auszuloten.

Die Klassifizierung des körperlichen Ausdrucks geht auf historische und mittlerweile als Pseudowissenschaften entlarvte Theorien der „Physiognomie“ und „Phrenologie“ zurĂŒck. Diese zutiefst essentialistischen AnsĂ€tze versuchten, den "wahren" Charakter, die "wahren" Emotionen aus dem physischen Erscheinungsbild eines Menschen zu deuten. "Sentimental Bits" befragt neue Emotions-Tracking Technologien kritisch aus einer technofeministischen Perspektive, ob diese nicht auf denselben biologistischen Essentialismus zurĂŒckgehen.
Wie können wir einen selbstbestimmten Umgang mit unserem Körper und den Daten die von ihm gesammelt werden erlangen? Wie verĂ€ndert sich der Ausdruck von Emotionen und soziale Kontakte im Zuge ihrer Digitalisierung? Und wie können wir uns neuen Überwachungstechnologien entziehen?

Gefördert durch: Fonds Darstellende KĂŒnste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung fĂŒr Kultur und Medien im Rahmen von #takecare

Research
Summer 2020
On Tour Online Performance
20. 05. 2020

Futurecore 2000 - All Beats are Beautiful

Balance Club / Culture Festival Leipzig

"Futurecore 2000" was part of the HARDER FASTER FRAGILE program at BALANCE CLUB/CULTURE festival in Leipzig. Due to Covid-19 the festival had to transform into a web edition. Check out "Futurecore 2000" as online performance + the released the soundtrack of the piece + an interview with Gloria Höckner and Peter Hermans.
More infos: balance.ifz.me/webedition2020/futurecore-2000)

On Tour Online Performance
20. 05. 2020
Premiere
07., 08., 12., 13., 14. 09. 2019

19 – 21:00

Futurecore 2000 - All Beats are Beautiful

Kraftwerk Bille, Bullerdeich 12-14, 20537 Hamburg

Zukunft ist Arbeit. Arbeit an Imagination. „Futurecore 2000 - All Beats Are Beautiful“ ist eine choreografische Auseinandersetzung mit apokalyptischen und utopischen Zukunftsvisionen innerhalb technoider Musikkulturen. Drei TĂ€nzer*innen und eine Soundkünstlerin tauchen darin in die, das Moment der Apokalypse feiernden Welten von Hardcore Techno. 

Elektronischer Musik und ihren technologischen Entwicklungen haftet der Vorwurf an, den Körper zu verneinen. „Futurecore 2000“ setzt dieser Behauptung Hardcore Techno entgegen. Hardcore Techno/Gabber wurden am Beginn der 1990er Jahre geboren, im Aufkommen des beschleunigten globalisierten Kapitalismus und der Neuordnung der Welt nach dem Kalten Krieg. Die Musik greift in ihren Klangbildern oft dystopische Zukunftsvisionen auf, die im Zuge dieser Entwicklungen entstanden. In der ersten Zusammenarbeit der Soundkünstlerin ZoĂ« McPherson und der Choreografin Gloria Höckner wird das mĂ€nnlich dominierte Genre Hardcore Techno weiblich besetzt und transformiert. In gegenseitiger Umschlingung von Körper und Sound entstehen in den Rhythmen, Beats und Verzerrungen utopische wie dystopische Imaginationen. Weiche und offene Körper begegnen dem harten, schnellen Beat und entwickeln mit dem Sound als nicht-menschlichem Akteur neue Beziehungsweisen. In dem Stück wird diese hyperbeschleunigte Form des Techno als eine subkulturelle Klangwelt und Kampfansage  betrachtet, die sowohl Spiegel der Gegenwart als auch Blick in die Zukunft ist. Eine „sonic fiction“ in welcher der tanzende Körper in Fiktionen ĂŒber die Zukunft eintauchen und auch das Publikum sich innerhalb dieser unbekannten sensorischen RĂ€ume neu entdecken kann. "Futurecore 2000" lotet dieses transformatorische Potential choreografisch aus und verhandelt den Körper als potenziellen Ort fĂŒr feministische, technopolitische Intervention.
Im Zuge des Comebacks von Hardcore Techno fragen wir uns: Befinden wir uns bereits in der Apokalypse, oder gibt es noch utopisches Potential fĂŒr unsere Zukunft?

Beteiligte:

Konzept, Choreografie: Gloria Höckner
Tanz: Marc Carrera, Gloria Höckner, Su Jin Kim
Musik: Zoë McPherson
Dramaturgie: Carolin JĂŒngst
BĂŒhne: Marc Einsiedel, Felix Jung („wearevisual“)
Licht: Marek Lamprecht, Björn Salzer
KostĂŒm: Gloria Brillowska
Produktion: Bastian Sistig
Tontechnik: Robert Prior
Fotos & Video: Jonas Fischer
Grafikdesign Flyer & Poster: Lisa-Marie Fechteler
Homepage: David Liebermann

„Heute bedeutet das All betreten ein Voranschreiten im Rhythmus – auf der Suche nach einer neuen Verzauberung des Körpers“ Kodwo Eshun, „Heller als die Sonne – Abenteuer in der Sonic Fiction“

Inspiriert durch die Praxis des Raves, die sich verlassene Orte der Vergangenheit wie alte Fabrikhallen aneignet und durch Musik utopisch auflĂ€dt, transformiert die Tanzperformance „Futurecore 2000 – All Beats Are Beautiful“ die 1.955 mÂČ große Kesselhalle des stillgelegten „Kraftwerk Bille“ zu einem Ort posthumanistischer Fiktionen. Das Publikum durchwandert in der riesigen Kesselhalle des alten Kraftwerks Szenarien, in denen sich Körper und Sound zu immer neuen Formen zusammenschließen, fiktive Welten entstehen lassen oder ihr Ende ankĂŒndigen. Das StĂŒck wurde als ortsspezifische Arbeit im hamburgischen Industrieviertel Hammerbrook entwickelt. Es ist eingebettet in eine Auseinandersetzung mit kultureller Teilhabe am urbanen Raum und durch eine Kooperation mit „Hallo: Viele GrĂŒĂŸe von – Verein zur Förderung raumöffnender Kultur e.V.“ entstanden. Auf der Suche nach alternativen Gemeinschaftsformen und neuen Beziehungsweisen verhandelt "Futurecore 2000" das VerhĂ€ltnis von menschlichen Körpern zu rĂ€umlichen Strukturen sowie beschleunigten Rhythmen.
„The future is under construction“ (Helen Hester, „Xenofeminism“.)

UrauffĂŒhrung: 7.09.2019 | Weitere Vorstellungen: 8.09., 12.09., 13.09., 14.09.
Ort: Kraftwerk Bille, Bullerdeich 12-14, 20537 Hamburg
Rahmenprogramm: 13.09. GesprÀchsrunde im Anschluss an die Performance mit Bianca Ludewig & PrÀsentation ihres Buches "Utopie und Apokalypse in der Popmusik" | 14.09. "Hallöchen" mit Jetzmann und Party im Anschluss an die Performance

Eine Produktion der core GbR in Kooperation mit Hallo: Verein zur Förderung raumöffnender Kultur e.V. und dem Tag des Offenen Denkmals der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Ermöglicht durch die Behörde fĂŒr Kultur und Medien, die Hamburgische Kulturstiftung und den Fonds Darstellende KĂŒnste aus Mittel der Bundesbeauftragten der Bundesregierung fĂŒr Kultur und Medien. Mit freundlicher UnterstĂŒtzung durch die Schaltzentrale, ProbebĂŒhne im GĂ€ngeviertel e.V., sowie Hanseplatte.

Premiere
07., 08., 12., 13., 14. 09. 2019

19 – 21:00

Premiere
22. & 23. 6. 2018

Hard Cores in Soft Shells

K3 – Centre for Choreography | Tanzplan Hamburg

Hard Cores in Soft Shells ist eine Auseinandersetzung mit der Poetik des Beats, mit Jugendkulturen des Hardcore Techno und dem – in ihrem Zentrum stehenden – tanzenden Körper. In dem StĂŒck, im Tanz hört der Körper auf, als natürliche und feste Trennlinie zwischen Innerlichkeit und Äußerlichkeit, zwischen Sound und Bild zu erscheinen, wird Hybrid zwischen technoidem Beat und seiner eigenen Physis. Ausgangspunkt der Arbeit waren Tanzformen wie Shuffle, Cutting Shapes oder Krochen, die durch Club- und spĂ€ter durch Cyberkulturen in Dialog mit der Musik geboren wurden. Das StĂŒck begibt sich, durch einen auf die Form konzentrierten Minimalismus in die Poetik des tanzenden Körpers innerhalb des nie enden wollenden, repetitiven Four to the Floor Beat einer Technoclubnacht. Es öffnet die BĂŒhne fĂŒr die MaterialitĂ€t der Form – sowohl von Musik als auch von Tanz. Die Performer_innen bewegen sich in einem kompositorischen Raum, den sie zwischen sich und Musik entstehen lassen; Und niemals verlassen. Ihre Körper werden Teil eines perkussiven Aktes und lassen die Physik des Rhythmus', des Beats spĂŒrbar werden.

see english version below

Artistic Team

Choreographie/Konzept: Gloria Höckner
Performance: Marc Carrera, Teresa Hoffmann, Gloria Höckner
Musik: Jetzmann
Mentoring: Antje Pfundtner

"Hard Cores in Soft Shells" choreographically explores dance forms, that emerged from hardcore techno. Starting point of the piece was the youth cultural movement "Krocha", that existed between 2007 and 2009 in Vienna. Apart form their individual style and way of talking, they defined themselves through their own dancing style. Krochen is related to other hardstyle dances like Melbourne Shuffle, Jumpstyle or Cutting Shapes, but also has visible roots in Charleston. These dances are not anymore improvised to music in a club but have established their own vocabulary. Since the launch of YouTube, they are also spread and developed online. So the dances are performed in front of the camera, mostly by young people, and thus don‘t transform – like it was in the club – in dialogue with the music, but also through their relation towards the picture.
"Hard Cores in Soft Shells" takes up this relation of the movement to the picture and to music. Within the form of the steps but also within the performer‘s bodies which move in the same beat, there are different social contexts inscribed that become visible.
Gloria Höckner draws attention to the relation between the body and the almost never ending repetitive four to the floor beat of a techno club night and to the relation of the movement to the hard beat of the music. The movement embodies the beat and thus itself becomes the beat. The performers establish a compositional space which they are holding together and which becomes their space for interaction. Are the bodies in the beat or are they the beat themselves? What happens if the beat is over?

Supported by:

Ministry of Culture and Media Hamburg, K3 - Zentrum fĂŒr Choreographie | Tanzplan Hamburg, Schaltzentrale, Jakobs GmbH

Premiere
22. & 23. 6. 2018
Collaboration
12. & 13. 09. 2020

Hybrids

„We Present“ / Lichthoftheater Hamburg

A piece for dancer, violin, sensor and interactive electronics.
Performance by Pedro Gonzålez in cooperation with Gloria Höckner

Collaboration
12. & 13. 09. 2020
Research
Jan. 2018

Jumping

NAVE / Santiago de Chile

"Jumping" is a dance research project about dance forms that emerged from Hardcore Techno. At the artist in residence program at NAVE in Santiago de Chile, Gloria Höckner together with Marc Carrera and Teresa Hoffman was able to research on dance forms like Melbourne Shuffle, Jumpstyle or Cutting Shapes. These dances are not anymore improvised to music in a club but have established their own vocabulary. Since the launch of YouTube, they also spread and developed online. "Jumping" deals with the nowadays virtual transforming body and how it re-materializes in the here and now – in clubs and public spaces where these dance forms are practiced. Santiago de Chile has a lively Shuffle and Jumpstyle scene that Gloria invited for a laboratory, where they shared movements and danced together.

Research
Jan. 2018
Collaboration
15. & 17. 09. 2017

Grow a Body

Festival of Future Nows / Berlin Art Week, Hamburger Bahnhof, Berlin

Grow a Body centers around a rhythmic, pulsating reading of a text based on (neuro-)scientific articles, slowly unfolding the underlying question: When is your body complete?

30 min, movement, spoken word, headphones, loudspeakers, 2 spot lights

Performance by Kirstin Burckhardt with Gloria Höckner.

Collaboration
15. & 17. 09. 2017
Collaboration
25., 28. 02. und 01. 03. 2015

Two Stones in the Jungle

Jahresausstellung der Hochschule fĂŒr bildende KĂŒnste Hamburg

"Two Stones in the Jungle" is a real-time composition that emerges from the interaction of the audience members with the choreographic system as well as of the interaction between the singular participants. It playfully explores the relation between structure and freedom, system and openness. HFBK Hamburg commissioned the work and gave us 17 artistic "gestures" in the form of pictures, videos and texts from 17 visual artists. We translated these artistic gestures into 17 performative modules consisting of performative scores, games and movement principals. We assigned each module a title and developed the “jukebox system” which allows the audience to select a title which will then be played by us – like a jukebox. Because of this game-like structure of the performance, the audience becomes a co-author of the choreography.

Credits

Choreography & Performance: Marc Carrera, Gloria Höckner, Su Jin Kim
17 co-authors: Ina Arzensek, Kirstin Burckhardt, Johanna Bruckner, Nicola Gördes, Marlon Middeke, André Mulzer, Sarah Ksieska, Nina Kuttler, Fion Pellacini, Stella Rossié, Moritz SÀnger, Marius Schwarz, Wiebke Scharzhans, Goscha Steinhauer, Katharina Swoboda, Sanne Vaassen, Antonia Wagner-Strauss und Helena Wittmann

Text von Moritz Frischkorn ĂŒber Two Stones in the Jungle

bei: Plateau - Performing Arts Hamburg | 10.04.2015

Link: gloriahoeckner.net/plateauhamburg.de/2015/04/10/they-speak-of-jukebox

They speak of ‘Jukebox’

Two stones in the jungle’ ist eine Langzeit-Performance von Gloria Höckner, Marc Carrera und Su Jin Kim. Sie wurde im Rahmen der Jahressaustellung der HfbK Hamburg am 25. und 28. Februar und 1. MĂ€rz 2015 jeweils für zwei Stunden im ‘Folgendes’-Raum (2.OG) gezeigt. Ich habe einen Teil der Performance vom Samstag, den 1. MĂ€rz gesehen. Und ich war froh: Das war leicht, und inspiriert, und irgendwie unaufgeregt. Kurz: Das hatte Witz und Charme. Die drei PerformerInnen schaffen es geschickt, Bewegungsmaterialien und -formen in den White Cube des ‘Folgendes’-Raumes hineinzusetzen,
indem sie eine Art installative und interaktive Jukebox kreieren, bei der das Publikum aus insgesamt 17 verschiedenen Bewegungsmaterialien auswĂ€hlen kann. Diese werden dann von den PerformerInnen im Raum ausgeführt. So schafft die Performance einen spielerischen Modus zwischen Publikum und Performern, wĂ€hrend das Bewegungsmaterial der Choreografie geschickt einen Schwebezustand zwischen gestischem Zeigen und tĂ€nzerischer Physis herstellt.

Für die Performance waren die drei AutorInnen vom Team des ‘Folgendes’-Raums (insbesondere von Wiebke Schwarzhans) eingeladen worden, auf insgesamt 17 verschiedene gestische Materialien zu reagieren.

Diese ‘Gesten’ – als solche wurden sie im Arbeitsprozess bezeichnet – stammten jeweils von Kunst-Studierenden, die im Wintersemester 2014/15 im ‘Folgendes’-Raum (einer Ausstellungsreihe von Studierenden der HFBK, von Heike Mutter kuratiert) ausgestellt haben. Jede/r KünstlerIn hatte eine Geste ausgewĂ€hlt und – medial vermittelt, d.h. als Foto, Video oder Text – weitergegeben, und wurde so zur Co-AutorIn der Performance.

(Zur VollstĂ€ndigkeit, hier alle 17 Co-AutorInnen: Ina Arzensek, Kirstin Burckhardt, Johanna Bruckner, Nicola Gördes, Marlon Middeke, AndrĂ© Mulzer, Sarah Ksieska, Nina Kuttler, Fion Pellacini, Stella RossiĂ©, Moritz SĂ€nger, Marius Schwarz, Wiebke Scharzhans, Goscha Steinhauer, Katharina Swoboda, Sanne Vaassen, Antonia Wagner-Strauss und Helena Wittmann). Die Ausstellungsreihe ‘Folgendes’, auf die sich die Performance damit implizit bezieht, ist ein wöchentliches Format im ‘Folgendes’-Raum der HFBK, in dem jeden Dienstag junge KünstlerInnen Positionen zum Medium der Fotografie beziehen.

Dabei sind die Ausstellungen jeweils nur einen Abend lang zugĂ€nglich und hinterfragen damit die spezifische Zeitlichkeit der Fotografie und die ihr immanente Dichotomie von potentiell ewiger Anwesenheit des fotografischen Dokuments und maximaler Flüchtigkeit des darin aufbewahrten, fotografierten Moments. ‘Folgendes’ stellt also explizit medientheoretische Fragen zur Fotografie und untersucht die Spuren, die diese im Galerieraum hinterlĂ€sst. So kann auch die Performance ‚two stones in a jungle’ als eine Spurensuche verstanden werden, in der aus den fotografischen Arbeiten Gesten werden – und damit immer schon Bewegungen. Die Beziehung zwischen Fotografie und Bewegung, die in der Geste angelegt ist, zwischen Stillstand und kontinuierlicher Mutation, beschreibt Giorgio Agamben in seinem bekannten Text ‘Noten zur Geste’.

Dort beispielsweise wird der aus über 1000 Bildern – d.h. explizit Fotografien – bestehende Mnemosyne-Atlas Aby Warburg’s vor allem als Sammlung ‘virtueller Bewegungsgesten der Menschheitsgeschichte’ beschrieben. Gleichzeitig aber lĂ€sst sich die Geste eben weder als Bild alleine aufbewahren, noch in eindeutige Bedeutung auflösen. Sie geht über das Abbild hinaus und verweist auf eine körperliche Dimension des Sinns. Philipp Gehmacher beispielsweise, der in mehreren Stücken ausführlich zur Geste gearbeitet hat, formuliert das so: “Die Geste ist ein Ereignis, das zwischen Körper und Sprache stattfindet (oder: fĂ€llt.).“ (Im Original: “The gesture is an event that falls between the body and language.”, cf: http://sarma.be/oralsite/pages/Philipp_Gehmacher_WT_23/) So scheint auch im Entstehungsprozess der Performance ‘two stones in a jungle’ die Geste einerseits als Bild aufgehoben und weitergegeben, zugleich aber wird das Bildmaterial wieder in Bewegungsmaterial übersetzt. Diesen Arbeitsprozess haben die drei AutorInnen unternommen und dabei eine Vielzahl von intensiv schimmernden Bewegungsprinzipien und -materialien gefunden. Dabei gelingt es ihnen mit den 17 verschiedenen Scores, aus denen die Performance gebaut ist, Bedeutung zu suggerieren, ohne sie festzuschreiben, und dabei den Körper sowohl in seiner physischen PrĂ€senz als auch seiner sozialen Gebundenheit auszustellen. Alle Bewegungsmaterialien haben dabei jeweils einen Titel. Diese Titel– mehr oder weniger arbitrĂ€r den Materialien zugewiesen – erinnern an Popsongs, Filmtitel oder Songzeilen.

(Meine Lieblingstitel waren: ‘Before Midnight’, ‘And She Slept Forever’, ‘I am Not There’, ‘All of Us’, ‘F. Rush’ und ‘Pulp Friction’ – ein 90er-Jahre Porno-Verschnitt des Tarantino-Originals.) Die QualitĂ€t der Durational-Performance der drei jungen AutorInnen wird dabei für mich vor allem an zwei Stellen deutlich: einerseits im spezifischen VerhĂ€ltnis zum Publikum und andererseits in der QualitĂ€t des Bewegungsmaterials, das vielfĂ€ltige soziale Bezüge aufruft, ohne dabei seine ‘gestische’ Mehrdeutigkeit und Flüchtigkeit zu verlieren.

Zuerst zum zweiten Punkt: Auf eine Tafel vor dem Raum haben die drei AutorInnen einen Text gedruckt, der über Bewegungsmuster spricht. Hier scheint mir die soziale Ordnung – das soziale Muster – und damit die Bewegungsordnung, wie sie von Gabriele Klein und Andrew Hewitt ausführlich beschrieben wird, aufgerufen. Bewegungsordnungen sind solche emergenten und verkörperten Choreographien, die erst in der physischen Wiederholung ihre soziale EffektivitĂ€t bekommen (man denke an die Verkörperung von Gender in Gesten und körperlichem Habitus, aber auch an die höchst komplizierten Menschenströme in einer FußgĂ€ngerzone oder einem Einkaufszentrum). Etwas Verwandtes wird in der Performance ‘two stones in a jungle’ spielerisch getestet, etwa wenn die drei PerformerInnen wie Autos brummend durch den Galerieraum laufen. Oder aber in einer anderen Sequenz, in der sie, im Dreieck stehend, nacheinander verschiedene Personalpronomen ausprobieren, dabei jeweils mit dem Finger auf eine/n anderen PerformerIn oder ein Publikumsmitglied zeigen, ohne dass die sprachliche und die körperliche Geste des Zeigens oder Anzeigens dabei zwangslĂ€ufig zusammenfallen. Dadurch werden einerseits Zuschreibungen und Ansprachen deutlich, zugleich aber die bestehende Ordnung von sozialem Zeigen (in ihrer körperlichen, aber auch sprachlichen Dimension) spielerisch hinterfragt. Bist ‘Du’ das Gegenüber, oder bin eigentlich ich (der Ort auf den der Finger zeigt) das ‘Du’ – zumindest für das Gegenüber? Oder ist gar das Publikum das ‘Du’, an welches sich die Performance richtet? Wo ist das ‘Wir’ dieser Performance? Auch ein weiteres Bewegungsmaterial – eine Sequenz, in der ein Computer vor die rechte Wand gestellt wird und dort ein Video abspielt, in dem sich ein nah aufgenommenes Auge jeweils öffnet und schließt und das von den Performern als spielerischer Score gebraucht wird – eröffnet ein VerhĂ€ltnis von SozialitĂ€t (als Gesehen-Werden) und Bewegung. Hier scheint die Bewegung immer nur im Moment des Nicht-Gesehen-Werdens existieren zu dürfen, zugleich aber begibt sie sich damit in ein spielerisches VerhĂ€ltnis zum Auge, dem zu entkommen sie vielleicht zu suchen scheint: Kann ich derjenige werden, der ich bin, nur unter dem prüfenden Blick des Anderen, oder nur in seiner Abwesenheit? 17 solcher klug-gebauten Bewegungsmaterialien, Scores oder physischer Praktiken haben die Performer aus den Ausgangs-Gesten extrahiert.

In ihrer Anordnung und PrĂ€sentation liegt die zweite große StĂ€rke der Performance: Für jedes Material gibt es jeweils einen sprachlichen Lang-Titel und ein Kürzel, und, direkt rechts neben dem Eingang, einen beschrifteten Tischtennisball in einer großen Glasschüssel. WĂ€hlt ein Publikumsmitglied einen Ball aus und platziert ihn in einen Eierbecher, der von einer statischen Kamera gefilmt wird, so erscheint das Kürzel des Titels als projiziertes Bild auf der rechten Wand. Das ist der Startpunkt für die PerformerInnen, das jeweilige Bewegungsmaterial oder den jeweiligen Score zu ‘aktivieren’. Die Dramaturgie und der Ablauf der Performance werden also durch das Publikum bestimmt, das auswĂ€hlen kann, welches Material für wie lange gezeigt wird.

Als Co-AutorInnen der Performance wird also auch das Publikum aufgerufen und herausgefordert. Als Zuschauer gilt es jeweils Verbindungen zwischen den schillernden Titeln und dem jeweiligen Bewegungsmaterial zu suchen, aber auch zwischen den Scores untereinander. Zugleich aber werden auch die kleine Unterschiede zwischen den möglichen Wiederholungen desselben Materials sichtbar. Schließlich ist sich keine Geste jemals komplett gleich: Zwar folgen sie Codes und sozialen Notwendigkeiten, der Körper als ihr TrĂ€ger aber, als körperliches Ding, baut in die jeweilige Performance der Geste ein Moment der Differenzierung, des Widerstands, des minimal Fehlerhaften und damit des Flüchtigen ein.

So wird der gestische Körper zugleich zum BedeutungstrÀger, aber auch zum Ort eines Widerstands.

Die AutorInnen sprechen von einer ‘Jukebox’, als einer sich im Dialog mit dem Publikum neu anordnenden Sammlung von getanzten Gesten. Zugleich – schließlich wird ‘two stones in a jungle’ zwei Stunden lang aufgeführt – bauen sie durch die Wiederholung und die physische Ermüdung das Potential von Differenz in ihre Performance ein. Damit löst sich die körperliche Praxis auch vom Bild. After all: Physical jukeboxes work differently than photographic ones. And that’s their specific beauty.

Collaboration
25., 28. 02. und 01. 03. 2015
00/00
←
→
✕
00/00
←
→
✕
00/00
←
→
✕
00/00
←
→
✕
00/00
←
→
✕
00/00
←
→
✕
00/00
←
→
✕
00/00
←
→
✕
00/00
←
→
✕